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Das Modell der 110 478-5, die 2018 als Neuheit von PIKO geliefert wurde, gibt ernaut Anlaß zu Diskussionen. Piko hat sich sehr viel Mühe bei der Darstellung der äußerlichen Abweichung von den vorhergehnden Serienloks gegeben. So wurde formtechnisch berücksichtigt, dass das DB-Zeichen an der Lokfront ab 110 477 deutlich tiefer angebracht ist.

PIKO 51806 110 478-5 DB Ep. IV - Bildlink: PIKO
PIKO 51806 110 478-5 DB Ep. IV - Bildlink: PIKO

 Nachdem uns PIKO mit der "Tüten-E 18, der 118 020-7 in RAL 5011 Stahlblau erstaunte - wo doch bei der Revision der E18 bei einbau der "Tütenlampen" stets auch eine Neulackierung in RAL 5013 Kobaltblau erfolgte, überraschte uns PIKO nunmehr mit der "Glatze" in RAL 5013 Kobaltblau. Wieder genial daneben also. Weiterhin diskutiert wird die Farbe des "Glatzendaches".

Betrachten wir die Geschichte dieser durchaus besonderen Elektrolokomotive:

Die Farbwahl:

Die DB gab bei Herstellaufträgen vor, die Kästen von Schnellzuglokomotiven in RAL 5011 Stahlblau zu lackieren. Diese Herstellaufträge waren langfristig angelegt, oft über mehr als 10 Jahre. Entsprechend disponierten die Hersteller ihren Materialbedarf. So wurden über die Vorserien-E10, die Serien-E10 und die ersten 70 Serien-E41 sowie die E 310 und E 410 alle Ablieferungen in dieser Farbe geliefert, bis eben dieser Farbvorrat aufgebraucht war. Es gab für die DB keinen sachlichen Anlaß, die Farbgebung zu ändern. Bei Reisezugwagen hingegen hatte man bereits 1960 von RAL5011 auf RAL5013 gewechselt, da die einzuführenden maschinellen Reinigungssystem die bisherige Farbe RAL5013 angriffen. Eine maschinelle Reinigung von Elektroloks war damals hingegen noch nicht absehbar. Grundsätzlich ging bei der Beamtenbahn Wirtschaftlichkeit den Bedürfnissen der Designer vor. U. a. deshalb erhielt der neue RHEINGOLD und RHEINPFEIL als Grundfarbe das absehbar in großen Menge beschaffte RAL 5013 als Grundfarbe, obwohl die Gestalter schon damals für modernere Farben plädierten, wie sie z. B. die SNCF bei den TEE und dem "Le Capitole" verwendete. Eine Spätfolge dieser Beharrlichkeit waren die unsäglichen Flicken aus unterschiedlichen Blautönen bei Teilanstrichen ab den 80er Jahren.

Die "Glatze"

Bis zur Lokomotive E 10 476 wurden die E 10 mit einer an der Dachkante umlaufenden Regenrinne geliefert. Diese angeschweißte Regenrinne verursachte Korrosionschäden. Bereits bei den Mehrsystem-Loks E 320 und 420, die wie die E 03 modulare Lokomotivkästen hatten, hatte man auf die Regenrinnen verzichtet und die Aufbauten komplett in der Farbe des Lokkastens lackiert. Ab E 10 477, die wegend er Überlegungen umd den warnanstrich erst am 27.12.1967 abgenommen wurde und an den Fronten zusätzliche helle Warnstreifen als Betriebsversuch trug, hatte man die Regenrinne weggelassen und das Dach, jedoch nicht die Dachaufbauten, in RAL 5011 lackiert. E 10 478 war bereits am 10.11.1967 abgenommen und im BW Hamburg-Eidelstedt in den Betrieb übernommen worden. Genaugenommen müsste man also E 10 478 als erste "Glatze" der Deutschen Bundesbahn bezeichnen. Die Dachfarbenvorschrift damals gab RAL 9006 Weissaluminium vor.

PIKO 51806 110 478-5 DB Ep. IV - Bildlink: PIKO
PIKO 51806 110 478-5 DB Ep. IV - Bildlink: PIKO

Der Betrieb dieser Lokomotiven zeigte, dass die Funktionalität der Regenrinne über den Frontfenstern und den Einstiegen unverzichtbar war. So wurden ab 1973 kurze Gummiprofile aufgeklebt, die das Wasser wieder ableiteten.

Abrieb und Funkenflug verdreckten das Dach recht schnell und so wurden die Anstrichvorgaben schnell dahin geändert, dass ähnlich der V200.1 der von der Seite nicht sichtbare Dachbereich einschließlich der Dachaufbauten in der ab 1968 vorgegeben Dachfarbe im Farbton RAL 7022 Umbragrau zu erfolgen hatte. Dies wurde dann der Standardanstrich auch der Elektrolokomotive, die bisher mit fest angebrachter, umlaufender Regenrinne im Betrieb waren und bei Aufarbeitungen diese Regenrinne verloren. Die Werke allerdings verwendeten für die Aufarbeitung bereits RAL 5015 Kobaltblau. TRIX Express hat 1970 diese Variante als erster Hersteller im Modell als 110 483-5 (mit geschwärzten Fenstern) angeboten.

Mein Fazit zur PIKO E 110 478-5:

Ein gelungenes Modell, leider im auffällig falschen Blau. Ich hoffe, dass eine E10 477 oder E 10 478 (diese mit den Warnstreifen) im Ablieferzustand in RAL 5011 bei PIKO noch eine Chance hat.

Zu den vielfältigen Bauartunterschieden bei der E 10 / 110 hat Ulrich Budde auf seiner auch generell wirklich informativen Website eine umfassende Darstellung bereitsgestellt: Die Bundesbahnzeit

   
© Will Berghoff 2013
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